FDP Bezirksverband Marzahn-Hellersdorf

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...„Das gebrochene Schweigen“

Seit vielen Jahren setzt sich der Lyra e.V. mit viel Engagement für die Belange der Spätaussiedler im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ein. Einen Schwerpunkt hierbei bildet unter anderem die Wanderausstellung „Das gebrochene Schweigen“, die über das Schicksal der deutschen Siedler in Russland informiert. Leider können viele beeindruckende Exponate bisher nicht gezeigt werden, da dem Verein kein fester Ausstellungsraum zur Verfügung steht.

Dies gilt es unbedingt zu ändern, meint Dr. Sergej Henke, der integrationspolitische Sprecher der FDP-Fraktion in der BVV Marzahn-Hellersdorf, denn „es ist unsere unabweisbare Pflicht, dieser Ausstellung einen festen Platz in unserem Bezirk zu geben! Immerhin erzählt sie keine fremde, sondern einen Teil unserer Geschichte, die Geschichte des Volkes, dessen Teil unsere ‚Russlanddeutschen’ Mitmenschen nun einmal sind“.

Dem stimmt auch Patrick Jacobs zu, der die FDP im Integrationsbeirat vertritt, und er ergänzt: „Es ist eine Schande, dass das Bezirksamt hier so lange untätig blieb, obwohl ihm die Situation schon lange bekannt ist!“

Deshalb wird die FDP-Fraktion in der Aprilsitzung einen Antrag in die BVV Marzahn-Hellersdorf einbringen, der das Bezirksamt auffordert, der Ausstellung möglichst schnell geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Dr. Henke fügt hinzu: „Wir hoffen, dass sich die Fraktionen der anderen demokratischen Parteien unserem Antrag anschließen, um dem „gebrochenen Schweigen“ endlich eine echte Heimstatt im Bezirk zu geben“.



ANTRAG:

Eine feste Heimstatt für „Das gebrochene Schweigen“

Die BVV möge beschließen:

Die BVV fordert das Bezirksamt auf dem Lyra e.V. einen festen und dauerhaften Raum für die Ausstellung „Das gebrochene Schweigen“ zur Verfügung zu stellen. Die Bereitstellung soll zeitnah und in enger Abstimmung mit den Vereinsverantwortlichen erfolgen, Ziel ist die Errichtung einer Dauerausstellung zu diesem Thema im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Das Bezirksamt wird verpflichtet die BVV regelmäßig über den aktuellen Sachstand zu informieren.

Begründung:


Die Geschichte und die Kultur der Deutschen aus Russland sind ein Teil der Geschichte und Kultur des deutschen Volkes. Die Vorfahren unserer Mitbürger, die wir gelegentlich und eher salopp "Russlanddeutsche" nennen, kamen nach Russland aus Hessen, Württemberg, Baden, Pfalz, Elsaß, Rheinhessen und Bayern. Sie kamen nach Russland, weil sie gerufen wurden - 1763 von der russischen Zarin, die selbst eine Deutsche war - Sophie Auguste von Anhalt Zerbst, der späteren Katharina der Großen.

Womit sie ihre ehemaligen Landsleute in das Riesenreich der Reussen lockte, waren weniger materielle Güter als vielmehr die Vision einer fast grenzenlosen Freiheit, das verführerische Bild eines freien Bauern auf freier Scholle, frei von jedem Religionszwang und von jeglichem Arbeits- und Militärdienst.

In den 70er bis 90er Jahren wanderten tausende und aber tausende Familien ins Wolgagebiet, in die Umgebung um Petersburg in die Schwarzmeerregion, in den Kaukasus und in das Krimgebiet ein. Später entstanden neue Ansiedlungen in Samara, in Baschkirien, in in West und Ost-Sibirien und sogar im Amurgebiet. Im Jahre 1940 existierte am Mittellauf der Wolga eine selbstverwaltete deutsche Republik mit ca. 500.000 Bürgern. Es gab ein vielfältiges kulturelles Leben mit eigener Literatur Theatern sowie Fach- und Hochschulen.

Die Zeit des relativ friedlichen Lebens endete abrupt mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. In Nacht und Nebel Aktionen ließ Stalin, auf Grund fabrizierter Anschuldigungen einer angeblichen Kollaboration mit den deutschen Invasoren, hunderttausende von deutschen Siedlern in den asiatischen Teil der Sowjetunion zwangsdeportieren. Die autonome Republik wurde aufgelöst, es folgte ein jahrzehntelanges Martyrium in Arbeitslagern, mit dem Hungertod von Hunderttausenden und weiteren Beschneidungen ihrer Bürgerrechte. Laut Erlass des Obersten Sowjets waren die Deutschen "auf ewige Zeiten verbannt“.

Die Ausstellung legt von diesen Ereignissen - zumindest teilweise - Zeugnis ab; teilweise zum einen deshalb, weil keine noch so gute Ausstellung das ganze Ausmaß einer solchen Tragödie zeigen kann, zum anderen weil eine Wanderausstellung immer starken Einschränkungen unterworfen ist. Zumindest bei Letzterem haben wir als BVV die Möglichkeit eine Verbesserung zu erreichen. Es ist unsere unabweisbare Pflicht dieser Ausstellung einen festen Platz in unserem Bezirk zu geben. Denn sie erzählt keine fremde, sondern einen Teil unserer Geschichte, die Geschichte des Volkes, dessen Teil unsere "Russlanddeutschen" Mitmenschen nun einmal sind.